Am 13. November 2025 fand eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Sicherheit – vorgedacht, nachgedacht!“ statt. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Club der drängenden Fragen“, die von der Wissenschaftsallianz Trier organisiert wird. Ziel der Reihe ist es, aktuelle gesellschaftliche Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und anschließend mit dem Publikum zu diskutieren.
Die Moderation des Abends übernahmen der Chefredakteur des „Trierischen Volksfreund“, Thomas Roth, und die Präsidentin der Universität Trier, Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer. Zu Beginn erläuterten sie das Format: Zunächst sollten die eingeladenen Expertinnen und Experten das Thema Sicherheit aus ihrer jeweiligen Perspektive einordnen, anschließend war eine offene Diskussion mit dem Publikum vorgesehen. Zur Strukturierung der Beiträge erhielten alle Zuhörenden drei Karten (grün, gelb, rot), mit denen Zustimmung, Widerspruch oder der Wunsch nach einer Wortmeldung signalisiert werden konnten.
Auf dem Podium diskutierten Oberst Michael Trautermann, Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz der Bundeswehr, die Trierer Polizeipräsidentin Anja Rakowski, Prof. Dr. Ingo Timm von der Universität Trier und Mitglied des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit sowie Oksana Petruk von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Trier, und die Vorsitzenden der Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik der Universität Trier, Aaron Medinger und Simon Moustakas.
Oberst Trautermann skizzierte aus militärischer Perspektive die sicherheitspolitische Lage, insbesondere mit Blick auf Russland und den Krieg gegen die Ukraine. Er betonte, dass sicherheitspolitische Warnsignale der vergangenen Jahre teilweise unterschätzt worden seien und hob die Bedeutung glaubwürdiger Verteidigungsfähigkeit für die äußere Sicherheit Deutschlands und seiner Bündnispartner hervor.
Anschließend stellte Polizeipräsidentin Rakowski die Sicht der Polizei auf Sicherheit dar. Sie wies auf den Unterschied zwischen objektiver Sicherheitslage und subjektivem Sicherheitsgefühl hin. Trier sei statistisch eine sichere Stadt, dennoch gebe es Orte, an denen sich Menschen unsicher fühlten. Aufgabe der Polizei sei es, sowohl auf die objektive Lage als auch auf wahrgenommene Bedrohungen zu reagieren und die Sorgen Betroffener ernst zu nehmen.
Prof. Timm ordnete das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive ein und ging besonders auf den Umgang mit Krisen und Katastrophen ein. Er beschrieb das Phänomen einer raschen Rückkehr zum Alltag nach überstandenen Krisen („Katastrophendemenz“) und diskutierte die Frage, wie Gesellschaften langfristig Vorsorge treffen können, ohne Bedrohungen zu verdrängen.
Oksana Petruk brachte die Perspektive der von Krieg betroffenen Zivilgesellschaft ein. Am Beispiel der Ukraine machte sie deutlich, wie stark sich bewaffnete Konflikte auf Alltagsleben und Sicherheitswahrnehmung der Bevölkerung auswirken, und verwies auf die anhaltende Unsicherheit für Angehörige und Zivilpersonen.
Medinger und Moustakas ordneten die aktuelle Sicherheitsdebatte in einen breiteren Kontext gesamtgesellschaftlicher Resilienz und Verteidigungsfähigkeit ein. Sie beleuchteten insbesondere die Diskussion um Wehrpflicht und freiwillige Dienste vor dem Hintergrund der Frage, inwieweit sich Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Schutzauftrags des Staates persönlich und individuell an Wehrhaftigkeit und Sicherheitsvorsorge beteiligen sollten.
In der anschließenden Publikumsdiskussion wurden verschiedene Aspekte von Sicherheit aufgegriffen. Diskutiert wurden unter anderem:
- das Verhältnis von objektiven Risiken und subjektivem Sicherheitsgefühl,
- die Rolle von Sicherheitsbehörden im Umgang mit Ängsten und Bedrohungswahrnehmungen,
- der Ukraine-Krieg und die Frage nach den Grenzen diplomatischer Konfliktlösung,
- die aktuellen Debatten um Wehrdienst und Verteidigungsbereitschaft in Zeiten von Drohnen, Cyberangriffen und technologischer Aufrüstung,
- Sorgen vor einer weiteren Eskalation internationaler Konflikte, insbesondere mit Blick auf mögliche Atomwaffenrisiken.
Die Diskussion zeigte, dass Sicherheit sowohl eine politische und institutionelle als auch eine emotionale und subjektive Dimension hat. Immer wieder wurde die Herausforderung deutlich, individuelle Freiheit, kollektiven Schutz, internationale Verpflichtungen und gesellschaftliche Resilienz miteinander in Einklang zu bringen.
Nach rund zwei Stunden endete die Veranstaltung. Der „Club der drängenden Fragen“ bot mit dieser Ausgabe einen Rahmen, in dem militärische, polizeiliche, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Perspektiven auf das Thema Sicherheit zusammengeführt und mit dem Publikum vertieft werden konnten.

